Macs gehören zu den Dingen, die schon immer einer kleinen Elite vorbehalten waren, deren Mitglieder den Computer mit dem leuchtenden Apfel quasi als offenes Erkennungsmerkmal verwenden. Die Korrelation zwischen der unabhängigen Variablen „Zugehörigkeit zur heterogenen Gruppe der Künstler/DJs/Designer/Freiberufler/digitalen Bohemien/ich mach irgendwas mit Medien/sonstigen Kreativen“ und der abhängigen Variablen „Besitzer eines Macbooks“ liegt meinem Gefühl nach bei 97%. Ohne dieses Statussymbol (das weniger materiellen Besitz, sondern mehr eine Lebenseinstellung vermittelt) wird man vermutlich nicht als vollwertiges Mitglied der kreativen Klasse angesehen. Einen Apple zu haben unterscheidet den Besitzer von der Durchschnittsbevölkerung, zum einen weil er bereit ist sehr viel für einen Computer auszugeben und zum anderen weil er das Ding bedienen kann (wer als Ahnungsloser schon mal vor einem Mac gesessen hat, weiß hoffentlich wovon ich rede).
Damit dient der Apple auf jeden Fall der Distinktion gegenüber dem gemeinen Microsoft-Volk. Die Verbreitung innerhalb bestimmter sozialer Kreise ist aber so hoch, dass man hier ohne Übertreibung von einer Uniformierung sprechen kann – womit die Individualität im engeren Umfeld hinfällig wäre (und ich unterstelle den Kreativen, dass sie äußerst großen Wert auf ihre Individualität legen). Ich habe zum Beispiel erst sehr wenige DJs gesehen, der es gewagt haben ein einfaches Notebook auf ihr DJ-Pult zu stellen. Meine Schlussfolgerung aus diesem Paradoxon ist, dass die symbolhafte Wirkung bzw. Funktion des Macs wichtiger ist als Individualität bei der Auswahl eines PCs zu demonstrieren.
Aus meiner Sicht gibt es drei Motive für den Besitz eines Apples:
1. Man kann sich mit dem Image identifizieren, das der leuchtende Apfel ausstrahlt.
2. Man ist von den technischen Merkmalen überzeugt, also intuitive Bedienung, Schnelligkeit, Sicherheit usw. Oder einfach weil es nicht Microsoft ist.
3. Man findet das Design schön.
Jene Kreativen, über die ich oben berichtet habe, verfolgen sicherlich alle drei Motive, wobei meiner Meinung nach das erste das dominierende ist. Nur zugeben wird das natürlich fast keiner, denn wer gesteht schon vor anderen, dass er sich einen Mac gekauft hat, weil es in seinem Umfeld oder seiner Branche eben zum Standard gehört. Ich denke, dass wenn man Mac-Besitzer nach ihren Kaufmotiven fragen würde, die häufigste Antwort die der technischen Überlegenheit wäre. Was vielleicht auch stimmt. Sich auch vom Design leiten zu lassen ist auf jeden Fall auch legitim, aber sich als Mitläufer outen? Auf keinen Fall.
ich bin froh, dass du das geschrieben hast und dich nun in die gefahr begibst, dich mit faulen äh… äpfeln bewerfen zu lassen.
interessant finde ich, dass die uniformierung bei ganz vielen aspekten auftritt. chucks, apple, stiefel…
Kommentar von martinaah — 2. Juni 2010 @ 14:40
Ja. Uniformität tritt meiner Meinung nach auch immer auf wenn ein neuer Trend im Anmarsch ist, dann laufen alle mit Stiefeln rum kaufen sich Chucks oder denken auf einmal das Mac´s wirklich besser sind als die normalen PC´s. Die Modewelt macht mit ihren Trends immer die individuellen Leute zu Modevictims, indem sie der Masse vorschreibt was sie zu tragen und zu kaufen haben. Der einzelne der schon vorher Stiefel mit Strumpfhosen und langen Pullover als Kleidersatz trug geht dann in der Masse unter, obwohl er vorher individuell war. Von diesen Leuten hört man dann immer “Wieso kommt das jetzt in Mode? das hatte ich schon vor einem Jahr”.
Manchmal fehlt es aber auch den Leuten der Massenmode auch schwer neue Trands zu setzen und sie projezieren einfach irgendeinen Alltagslook Beckhams auf die Masse.
Da bleibt halt echt nich mehr viel Platz für individualität und man kann nur hoffen das es einen nicht trifft und wenn, dann das es schnell vorbei geht.
grüße
Kommentar von Felix — 2. Juni 2010 @ 15:36
klingt als wärs herpes :-)
Kommentar von martinaah — 2. Juni 2010 @ 20:39
Jeder kanns bekommen aber wenn mans hat dann will mans so schnell wie möglich wieder loswerden?
Kommentar von felix — 3. Juni 2010 @ 12:09
Der Apfel steht im Mittelpunkt…
Wie kein anderes Obst, steht der Apfel derzeit im medialen Diskussionsmittelpunkt. In den frühen 80igern bedeute sich mit dem Apple-Image zu verbinden, revolutionär zu sein. Wer wollte das nicht gerne? Vor allem wollte Apple sich gegen IBM und Microsof…
Trackback von stieber-stefan.de — 4. Juni 2010 @ 11:43