Chucks sind Kultschuhe, keine Frage. Noch vor ein paar Jahren wollte man sich damit in bestimmten Kreisen von der Masse abgrenzen, heute gibt es sie in jeder Variation als Billig-Klone. Neu und gepflegt müssen sie nicht aussehen, im Gegenteil, je dreckiger und abgewetzter sie sind, desto besser. (Es soll sogar Menschen geben, die ihre neuen Chucks nur nachts tragen, bis sie dreckig genug und damit straßentauglich sind.) Es gibt keine WG-Party, bei der sich nicht mindestens ein Paar im Schuhhaufen vor der Wohnungstür findet. Auf einigen Festivals hat man vor lauter Chucks an den Füßen den Eindruck, die Leute hätten sich abgesprochen. Ob sie gut aussehen, ist Geschmacksfrage.
Für mich verkörperten diese Schuhe schon immer etwas Widersprüchliches. Getragen werden Chucks hauptsächlich in alternativen und bestimmten Szene-Kreisen und dienen mit ihrem betont lässigen Stil auch der Abgrenzung zu Mainstream-Schuhen. Schlicht und bequem statt Glitzer-Mode und hohe Absätze. Außerdem sind es meines Wissens die einzigen Unisex-Schuhe, die es gibt.
Der Widerspruch liegt für mich darin, dass es sich dabei um völlig überteuerte Markenschuhe handelt (man bezahlt mindestens 60 € dafür), wobei man 80% des Geldes ausschließlich für das Image bezahlt, mit dem man sich schmückt. In den USA werden Chucks für 20 Dollar verkauft, weil dort kein Hahn nach ihnen kräht. Menschen also, die eigentlich großen Wert auf ihre Individualität legen und sich vielleicht normalerweise von Marken distanzieren, laufen mit diesen Schuhen durch die Gegend. Dabei liegt das einzig Individuelle in der Farbwahl (für ganz Ausgefallene auch im Material). Mit Schwarz gehört man zum Beispiel voll zum Mainstream der Chucks-Träger, mit Gelb oder Pink hebt man sich schon etwas mehr ab. Mut zum Muster hat dagegen (leider) kaum einer.
Durch die massenhaften Billig-Imitate können sich die wahren Converse-Jünger von all denen abheben, die nur die Schuhe schön finden, sich aber nichts aus dem Markenkult machen und jenen, die Chucks für einen aktuellen Trend halten. Das Problem an dieser Imitiererei ist, dass es die Schuhe inzwischen schon in tussi-tauglichem Glitzer-Rosa gibt und wie vieles, was mal einer Szene vorbehalten war, in den Mainstream hinausströmt. Die einzige Möglichkeit, sich als echter, wahrer, berechtigter Chucks-Träger zu profilieren, liegt da wahrscheinlich im Bekenntnis zum Original.
Ich will mich keinesfalls über Leute lustig machen, die Chucks tragen; ich bin selbst stolzer Besitzer eines Exemplars. Mir als Schubladen-Denkerin ist aber eben aufgefallen, dass es da einen Widerspruch gibt zwischen dem Individualitätsbedürfnis der Leute auf der einen Seite und der Uniformität und dem Markenkult dieser Schuhe auf der anderen Seite. Natürlich ist mir gleichzeitig auch völlig klar, dass man Chucks aus den unterschiedlichsten Gründen tragen kann. Ich denke aber, dass viele Menschen dies tun, weil sie sich mit dem Image der Marke identifizieren können oder weil sie ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Subkultur zeigen möchten. Was vollkommen legitim ist. Dafür muss man eben dann den hohen Preis in Kauf nehmen, aber das ist es den meisten offensichtlich wert.
Ich habe mir vor 2 Tagen auch neue und sehr alternative Schuhe zugelegt (hoffe, die sind bald in der Post). Die Marke “Klompen” ist auch relativ bekannt und mit 20 Euro sind die auch eher günstig –> http://bit.ly/9KH1Kv
Kommentar von Dietzi — 27. Mai 2010 @ 13:23
Hehe, wenn da damit in Jena rumläufst wird das der neue Schuhtrend des Sommers!
Kommentar von clouds3 — 27. Mai 2010 @ 13:49
Die hab ich mir erstmal fürs Büro bestellt, aber an Wochenenden kann man die sicher auch gut in der Stadt ausführen. Die sind auf jeden Fall ein Erkennungsmerkmal. Ich freu mich schon.
Kommentar von Dietzi — 28. Mai 2010 @ 10:55
Erkennungsmerkmal? In akkustischer Form erkennt man dich dann auf jedenfall über 100 Meter. naja und nachdem du damit 100 Meter rumgelaufen bist merkst du noch 100 Stunden danach die Blasen die die Schuhe dir beschert haben. :-)
Kommentar von Felix — 28. Mai 2010 @ 19:31
Also der allseits bekannte Kollege O. hat mir die Schuhe als sehr bequem empfohlen – gerade im Sommer. Aber ich lass mich überraschen. Wenn die nicht zum Laufen geeignet sind, zieh ich die Dinger nur im Büro an :-) Der Teppich dämpft dann auch die Geräusche.
Kommentar von Dietzi — 29. Mai 2010 @ 17:31
So langsam habe ich das Gefühl/die Befürchtung, dass du das ernst meinst mit diesen Schuhen… Die sind auf jeden Fall nicht businesskonform ;-)
Kommentar von clouds3 — 29. Mai 2010 @ 20:51
[...] interessante Geschichte hierzu erzählt der Schubladenblog. Kommentare [...]
Pingback von Damen- Herren und Kinderschuhe» Chucks: Klassiker der Schuhindustrie — 14. Juni 2010 @ 13:44